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18.12.2012: Dekanin Andrea Borger bleibt als Pfarrerin in Sendling!

Seit vergangenen Freitag steht der Kompromiss. Andrea Borger, noch bis inklusive 31. Dezember 2012 Dekanin im Prodekanat München-Süd, bleibt als Pfarrerin in der Sendlinger Himmelfahrtsgemeinde. Die bayerische Landeskirche und Borger haben im laufenden Nichtgedeihlichkeitsverfahren eine Lösung vereinbart, die alle Seiten zufrieden stellt. Borger verzichtet auf ihr Dekansamt, bleibt aber auf einer vollen Stelle Pfarrerin in Himmelfahrt mit der pfarramtlichen Geschäftsführung, wie sich das Gemeinde und Kirchenvorstand gewünscht haben. Das Verfahren wird zu Ende des Jahres eingestellt. Eine entsprechende Erklärung hat Bayerns evangelisch-lutherische Landeskirche veröffentlicht.

„Wir freuen uns über diesen Kompromiss“, sagt Conrad Breyer, Sprecher der Initiative Transparentes Verfahren, weil er der Gemeinde hoffentlich ihren Frieden zurückgibt. „Das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk, auch wenn Andrea Borger mit ihrem Amtsverzicht in Vorleistung gehen musste, bis sich die Landeskirche bewegt hat“, ergänzt Christian Müller, Mitstreiter der Pro-Borger-Gruppe.

Schweigen über die Konflikte
In der Erklärung der Landeskirche heißt es, die Hintergründe des Konfliktes zwischen dem Pfarrkapitel, der Vertretung aller PfarrerInnen im Prodekanat München-Süd, und der Dekanin müssen im Einzelnen offen bleiben. Dieser Konflikt war Auslöser des Nichtgedeihlichkeitsverfahrens. „Wieder schweigen alle. Niemand weiß, wie das Verfahren wirklich ausgegangen wäre und es bleibt ein Rest an Unbehagen, ob bei der Zahl an erhobenen und schriftlich fixierten Vorwürfen und Unterstellungen während des über ein Jahr laufenden Verfahrens eine gute Zusammenarbeit in den Gremien des Prodekanats überhaupt noch möglich ist“, ergänzt Karin Menzel, wie Breyer und Müller Mitglied der Initiative. „Wir wünschen es uns.“ Immerhin würdige die Kirchenleitung auch die Dienste Andrea Borgers als Dekanin.

Die Initiative Transparentes Verfahren hatte im November der Landessynode in Hof, dem Parlament der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, eine Eingabe vorgelegt mit der Bitte, eine unabhängige Kommission einzurichten, die diese Vorwürfe und Unterstellungen untersucht, sollte das Verfahren vorzeitig abgebrochen werden. Denn die Konflikte zwischen Pfarrkapitel und der Dekanin beruhen mit Sicherheit auf der Auseinandersetzungen zweier Seiten. Das Nichtgedeihlichkeitsverfahren aber hat allein Andrea Borger in den Fokus der öffentlichen Kritik gerückt. „Jetzt ist das Verfahren eingestellt“, sagt Breyer, „aber unsere Eingabe wurde abgelehnt.“

Ebenso haben die Synodalen eine Eingabe unbeachtet gelassen, in der namhafte Unterzeichner, wie beispielsweise Christian Schmidt-Sommerfeld, Präsident des Landgerichtes, gefordert hatten, das Nichtgedeihlichkeitsverfahren wenigstens in den Ausführungsbestimmungen zu reformieren. Abschaffen kann die bayerische Landeskirche das Verfahren nicht, denn die Entscheidung darüber obliegt der Evangelischen Kirche Deutschland. Zwar haben Vertreter der Landeskirche in Hof zugegeben, man sei mit dem Rechtskonstrukt selbst unglücklich, das habe der aktuelle Fall um Andrea Borger gezeigt. Aber eine wirklich unabhängige Erhebungsführung durch von der Kirche unabhängige Juristen wollte die Landeskirche - wie auf der Frühjahrssynode in Augsburg eigentlich ursprünglich beschlossen - dann doch nicht umsetzen.

Deshalb will die Initiative Transparentes Verfahren weitermachen. „Wir werden uns auch in Zukunft gegen das ungerechte und rechtsstaatlich fragwürdige Nichtgedeihlichkeitsverfahren wenden“, sagt Müller. Vieles habe die Gruppe in den vergangenen Monaten erreicht, eine politische Debatte in Öffentlichkeit und Kirche über das Verfahren zumindest. „Wir machen weiter. Damit in dieser Kirche statt Willkür Transparenz und Gerechtigkeit gelebt werden können.“

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