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14.05.2012: Einladung zur Podiumsdiskussion in Himmelfahrt

Licht ins Dunkel bringen will die Initiative Transparentes Verfahren mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema Nichtgedeihlichkeitsverfahren. Im November vergangenen Jahres hatte der Landeskirchenrat gegen Dekanin Andrea Borger im Prodekanat München-Süd ein solches eingeleitet. Weil viele Menschen - gerade in der Gemeinde - nicht verstehen, was es mit diesem kirchlichen Rechtskonstrukt auf sich hat, will die Initiative am 14. Mai ab 19 Uhr in der Kidlerstraße 15 aufklären.

Die Positionen könnten gegensätzlicher nicht sein: Die Mitglieder der Initiative, der Kirchenvorstand der Sendlinger Himmelfahrtskirche und viele Gemeindemitglieder, die Andrea Borger als Pfarrerin kennen und schätzen, protestieren gegen das am 17. November 2011 eingeleitete Verfahren und bezeichnen es als untaugliches Mittel der Konfliktbewältigung. Die Verantwortlichen in der Kirchenleitung betonen dagegen den fairen und ergebnisoffenen Charakter desselben, weil es zur Lösung verhärteter Konfliktkonstellationen notwendig sei. Es diskutieren zum Thema "Schaden abwenden oder Schaden anrichten: Was leistet das 'Nichtgedeihlichkeitsverfahren' in der Evangelischen Kirche?"“: 

  • Gerhard Althaus, von 1988 bis 1998 Dekan im Prodekanat Nürnberg-Mitte/St. Lorenz, der zur Konfliktlösung in der evangelischen Kirche spricht,
  • Hermann Clement, Vertrauensmann des Kirchenvorstandes in der betroffenen Kirchengemeinde, der sich zu den Auswirkungen des Verfahrens in Himmelfahrt äußert,
  • Rechtsanwalt Ernst Dill, Mitglied des Bezirksausschusses Sendling, der aus kritischer juristischer Sicht Fragen zum rechtsstaatlichen Charakter des Verfahrens in das Gespräch einbringen soll, und
  • Conrad Breyer für die Initiative "Transparentes Verfahren"“, der eine mangelnde Ethik des mitmenschlichen Umgangs in seiner Kirche beklagt.

Andrea Borger selbst sitzt im Publikum und wird - soweit es ihr möglich ist - Stellung beziehen.

Es moderiert der bekannte freie Journalist Heinz Brockert, der sich dank seiner langjährigen Arbeit für den Evangelischen Pressedienst epd mit kirchlichen Themen bestens auskennt.

Die Vertreter der Kirchenleitung, allen voran Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, und der Kirchenjurist Walther Rießbeck, nehmen an der Veranstaltung nicht teil. Sie sollten auf dem Podium die PRO-Seite vertreten, sehen sich aber - ob des laufenden Verfahrens - nicht in der Lage, Stellung zu beziehen.

Schon lange Zeit gibt es in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Auseinandersetzungen über das Nichtgedeihlichkeitsverfahren. Betroffene und Aktionsgruppen kritisieren seit Jahren einen Mangel an rechtsstaatlichem Schutz für Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Kirche, die sich nichts zuschulden kommen lassen haben, durch das Verfahren aber dennoch persönlich und beruflich beschädigt worden sind.

So bewerten auch die Veranstalter des Podiums das Nichtgedeihlichkeitsverfahren kritisch und fordern dessen Einstellung. Die Gemeindemitglieder, so der Sprecher der Initiative, Conrad Breyer, wüssten nicht, was ihrer Pfarrerin Andrea Borger eigentlich vorgeworfen werde. Sie stehe zwar im Fokus des öffentlichen Interesses, dürfe sich aber nicht verteidigen. Die Ankläger schweigen. "Andrea Borger ist suspendiert, wird sozial und beruflich isoliert, ohne dass überhaupt eine Schuld festgestellt worden wäre". Derzeit führt die Landeskirche unter den Betroffenen Erhebungen zum Sachverhalt durch, die ein Jurist der Landeskirche verantwortet.

"Wir wollen uns diesem brisanten Thema und seinen Hintergründen stellen und die kontroversen Seiten miteinander ins Gespräch bringen", sagt Christian Müller, Mitstreiter der Initiative Transparentes Verfahren. "Rechtliche, sozialwissenschaftliche und theologische Gesichtspunkte sollen nach einer kurzen Einführung zum Verständnis des Sachverhaltes und zur Meinungsbildung beitragen."


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